In dieser Beitragsserie nehme ich dich mit durch die Schritte einer Woche Heilfasten nach Buchinger. Heute starten wir mit dem Wichtigsten: der Vorbereitung.
Ohne Vorbereitung, sozusagen Hals über Kopf in eine Fastenwoche zu gehen, ist nicht die beste aller Ideen. Unvorbereitet kann eine Fastenwoche unnötig schwer werden und du kämpfst möglicherweise von Anfang an gegen Kopfschmerzen, Heißhunger oder innere Widerstände. Wer sich dagegen ausreichend Zeit gibt, um sich achtsam einzustimmen, erlebt Fasten in einer völlig anderen Qualität.
Die Voraussetzungen – was spielt eine Rolle?
Eine der ersten Fragen, die ich höre: „Wann soll ich eigentlich fasten?“ Meine Antwort: Immer dann, wenn du das Gefühl hast, etwas für dich tun zu wollen, gesund bist und dich bereit dazu fühlst. Das ist der ideale Zeitpunkt, um mit dem Fasten zu beginnen und du hast die besten Voraussetzungen, erfolgreich zu fasten. Die folgenden drei Punkte können dir dabei helfen zu erkennen, ob jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist:
Deine Gesundheit
Du fühlst dich fit und gesund und möchtest eine Woche fasten, um deinem Körper etwas Gutes zu tun. Herzlichen Glückwunsch! Du bist bestens geeignet. Fasten als persönliche Gesundheitsvorsorge ist für die meisten von uns problemlos möglich. Solltest du allerdings eine akute entzündliche Erkrankung haben, wie zum Beispiel einen Infekt, dann warte bitte mit dem Fasten bis du das auskuriert hast. Menschen, die an chronischen Erkrankungen leiden oder dauerhaft Medikamente einnehmen, sollten sich vorab von ihrer Hausärztin oder ihrem Hausarzt beraten lassen. Im Zweifel gibt es auch Möglichkeiten unter fastenärztlicher Aufsicht in speziellen Fastenkliniken zu fasten. Außerdem ist Heilfasten für Kinder und vor allem für Schwangere und Stillende nicht geeignet. Wenn dich das betrifft, warte und faste zu einem späteren Zeitpunkt. Jetzt brauchst du deine ganze Energie.
Dein Terminkalender
Dein Terminkalender gehört bestenfalls auch zur Vorbereitung. Man beginnt Heilfasten nicht einfach damit, das Essen einzustellen. Das funktioniert meistens nicht so gut. Nimm am besten deinen Kalender zur Hand und plane deine Fastenwoche. Idealerweise hast du während der Fastenzeit keine gesellschaftlichen Verpflichtungen, die mit Einladungen zum Essen einhergehen. Also so etwas wie Omas 90. Geburtstag, die Hochzeit der besten Freundin oder ähnliche Veranstaltungen.
Schreib dir die Fastenwoche in den Kalender, als unverrückbaren Termin mit dir selbst. Erkläre deiner Familie oder deinen Mitbewohnern, was du vorhast. Du bittest nicht um Erlaubnis, sondern schaffst Verständnis für dein Vorhaben. Es ist hilfreich, wenn das Umfeld weiß, dass du in dieser Woche etwas ruhiger sein wirst als sonst. Und wer weiß, vielleicht begeisterst du jemand mit deiner Idee und kannst die Fastenwoche zu zweit oder in einer kleinen Gruppe bestreiten.
Dein Warum
Wenn du einen passenden Zeitraum in deinem Kalender für die Fastenwoche reserviert hast, kannst du im nächsten Schritt überlegen, was dein „Warum“ ist. Ohne Grund fastet niemand in unserer Überflussgesellschaft. Also denke mal nach, was dein Beweggrund ist. Was ist dein Ziel? Was möchtest du damit erreichen? Was möchtest du mit dem Fasten loslassen? Das hilft dir, solltest du später einen mentalen Durchhänger haben und mit dem Gedanken spielen, aufzuhören. Halte deine persönliche Motivation unbedingt irgendwo schriftlich fest.
Vorbereitung
Tagebuch starten
Sicher hast du irgendwo ein leeres Notizbuch in einer Schreibtischschublade. Starte dein Fastentagebuch bereits jetzt, in der Vorbereitungsphase. Schreibe auf, warum du dich entschieden hast, eine Woche Heilfasten durchzuziehen. Notiere hier auch deine Stimmung, deine Energie, was dich beschäftigt. Das Tagebuch wird in der Fastenwoche dein bester Begleiter sein – und du wirst staunen, wie viel Klarheit entsteht, wenn du anfängst, deine Fastengedanken aufzuschreiben. Es muss keine literarische Meisterleistung sein: Ein paar ehrliche Sätze pro Tag reichen völlig aus.
Setze dir außerdem eine klare Intention. Nicht: „Ich will fünf Kilo abnehmen.“ Sondern: „Ich möchte meinem Körper eine Pause gönnen und herausfinden, was ich wirklich brauche.“ Oder: „Ich möchte meine Beziehung zu Essen und zu mir selbst neu justieren.“ Diese Intention wird dir an schwierigen Momenten helfen – und die werden kommen. Nicht weil du schwach bist, sondern weil echte Transformation nie ganz ohne Reibung auskommt.
Wenn du deine körperliche Veränderung auf Papier verfolgen möchtest oder ein genaues Vorher-Nachher-Ergebnis willst, kannst du auch Punkte wie dein Gewicht, Bauchumfang, Blutdruck, Stuhlgang und Urinfarbe dokumentieren. Auch die Trinkmenge und Hungergefühle während der Fastentage können hier notiert werden. Aber mach dir keinen Druck, hier möglichst viele Daten zu erfassen. Wenn du einfach nur am Abend einen Satz zur Reflektion notieren willst, ist das auch genug. Du entscheidest – ich zeige dir nur Möglichkeiten auf ohne Verpflichtung.
Ernährung schrittweise umstellen
Dein Körper ist es gewohnt, regelmäßig mit Energie versorgt zu werden. Wenn du ihn von einem Tag auf den anderen umstellst, reagiert er mit Unwohlsein und Entzugssymptomen. Nicht weil Fasten falsch ist – sondern weil die Umstellung zu abrupt war. Beginne drei bis fünf Tage vor dem Fasten damit, deine Ernährung sanft zu verändern. Streiche zunächst zu üppige Gerichte und versuche auf das Snacken zwischendurch zu verzichten. Reduziere Fertigprodukte, Fleisch, Wurst und schwere tierische Produkte.
Iss in diesen Tagen bevorzugt leicht und pflanzlich. Auch die Portionsgrößen dürfen kleiner werden. Normalerweise reicht es aus, sich nur zu 80% satt zu essen, denn bis das Sättigungsgefühl vom Körper wahrgenommen wird, dauert es eine Weile. Schon in dieser Phase werden die Gedanken klarer und das Tempo des Tages sich verändert. Nur durch bewussteres essen. Das Fasten beginnt also nicht mit dem ersten Fastentag.
Kaffee ist ein besonderes Thema – dazu gleich mehr im FAQ. Ebenso andere Genussmittel, wie Softdrinks, Nikotin oder Alkohol.
Was die Flüssigkeitszufuhr angeht: Trinke bereits jetzt mehr Wasser und ungesüßte Kräutertees. Dein Körper braucht diese Gewöhnung, damit du während des Fastens nicht auf einmal mit einem Liter stillem Wasser überfordert bist. Zwei bis drei Liter täglich sind ein guter Richtwert, auch schon in der Vorbereitungsphase.
Profi Tipp: ayurvedisches Heißwassertrinken
Beginne schon ein oder zwei Wochen vor dem Start deiner Fastenwoche mit einer kleinen neuen Routine. Ich kann dir dazu eine Tasse heißes Wasser am Morgen empfehlen. So wie es mir empfohlen wurde, obwohl ich selbst skeptisch war. Was soll ich mit warmen Wasser? Ich trinke morgens als erstes doch schon ein Glas Wasser, um meinen Flüssigkeitshaushalt aufzufrischen. Aber was soll ich sagen? Ich habe mich schnell daran gewöhnt und das Besondere daran für mich ist, dass ich darauf während des Fastens nicht verzichten muss. Mein Start in den Tag bleibt also auch während der Fastenzeit gleich. Dieser Effekt ist nicht zu unterschätzen.
Erläuterung: In der Ayurveda Lehre ist das Trinken von abgekochtem heißem Wasser ein einfaches, aber wirkungsvolles Mittel, um das Verdauungsfeuer Agni anzuregen. Es soll Toxine Ama lösen und dabei helfen diese auszuscheiden. Das Wasser soll 10–15 Minuten zu kochen und über den Tag verteilt in kleinen Schlucken getrunken werden.
Einkaufsliste – Was du wirklich brauchst
Für die Darmreinigung
- Glaubersalz ist das klassische Mittel der Wahl, um vor dem Fasten den Darm zu entleeren.
- Klistiere oder Irrigator, um während der Fastenwoche den Darm zu reinigen
Deine Zutaten für die Fastenwoche
- Stilles Wasser
- Kräutertees deiner Wahl
- Honig (1x täglich darf ein halber Teelöffel Honig den Tee versüßen)
- klare Gemüsebrühe
- Naturreine Obst- und Gemüsesäfte ohne Zuckerzusatz
- Sauerkrautsaft
- Ingwer
- Zitrone
- Naturjoghurt und Leinsamen (dürfen am Entlastungstag noch gegessen werden)
Wenn du deine Gemüsebrühe selbst kochen willst, besorge dir auch das Gemüse dafür. Es bietet sich an, die Suppe vorzukochen und in 1/4-Liter Portionen einzufrieren. Das entspricht dann der empfohlenen Portionsmenge pro Mahlzeit.
Dinge, die du während der Fastenwoche nicht brauchst, räumst du am besten aus deinem Sichtfeld. Ich denke da an Süßigkeiten und Knabbereien, vielleicht auch die Kaffeemaschine oder Softdrinks.
Hilfreiche Tools – Nice to have
Neben den paar Zutaten die oben stehen, brauchst du für eine Fastenwoche keine teure Spezialausstattung. Was du brauchst, ist Klarheit darüber, was du einkaufen sollst und was nicht.
Fürs Wohlbefinden und zu Unterstützung kannst du dir aber gerne noch ein paar „Extras“ besorgen, wenn du magst. Das ist keine Pflicht, damit kannst du dir die Fastentage aber ein bisschen verschönern:
- Eine Wärmflasche oder ein Körnerkissen, falls du leicht frierst.
- Ein schönes Notizbuch als Fastentagebuch. So macht es besonders viel Freude, alles aufzuschreiben.
- Epsom-Salz oder andere entspannende Badezusätze. Achte aber auf deinen Kreislauf bei Vollbädern oder mach nur ein Fußbad, wenn du niedrigen Blutdruck hast.
- Ein Puzzle oder ein gutes Buch das du schon lange lesen wolltest. Wenn du fastest und zur Ruhe kommst, sind „bildschirmfreie“ Beschäftigungen ideal.
- Nordic-Walking-Stöcke oder eine Yogamatte. Leichter Sport ist erlaubt, es tut aber auch ein täglicher Spaziergang in der Natur.
FAQ zur Fastenvorbereitung
- Darf ich vor dem Fasten noch Fleisch essen? Idealerweise reduzierst du es vor dem Fastenbeginn. Beginne mit dem Weglassen von rotem Fleisch und Wurst, dann von Geflügel und Fisch. So gibst du deinem Verdauungssystem Zeit, sich zu entlasten, und vermeidest starke Entgiftungsreaktionen in der ersten Fastenwoche.
- Darf ich Kaffee weiter trinken? Wenn du regelmäßig (viel) Kaffee trinkst, solltest du während der Vorbereitungsphase versuchen weniger davon zu trinken und während des Fastens am besten ganz darauf verzichten. Koffein stimuliert die Magensäureproduktion und kann den Fastenprozess stören. Ja, die ersten Tage komplett ohne Kaffee können mit Kopfschmerzen verbunden sein, wenn du auf Kaffeeentzug bist. Das gleiche gilt für alle Genussmittel auch Zucker oder Süßstoffe, die täglich konsumiert werden.
- Was passiert, wenn ich Fasten nicht aushalte und wieder essen will? Das ist eine der häufigsten Fragen, die mir gestellt wird. Es passiert nichts. Du entscheidest, wie lange du fastest. Auch wenn du dein gesetztes Ziel nicht erreichst, wird nichts passieren. Fasten ist kein Wettkampf und du kannst jederzeit aufhören und wieder langsam zum normalen Essen zurückkehren. Einen fetten Schweinsbraten mit Klößen würde ich dir allerdings zum Abbruch des Fastens nicht raten. Das könnte in die Hose gehen.
Hast du noch weitere Fragen zur Vorbereitung auf eine Fastenwoche, die ich dir beantworten kann? Schreib sie gerne in die Kommentare!
Ansonsten hoffe ich, dass Du jetzt gut informiert bist, was du alles brauchst, um gut durch deine Fastenwoche zu kommen. Wenn du dich gut vorbereitet fühlst, gibt dir das auch Sicherheit, bei dem was kommt. Es wird dir an nichts fehlen. Gut vorbereitet ist halb gefastet.
Im nächsten Teil der Fastenserie (#02) geht es um den Entlastungstag. Das ist der letzte Tag vor dem eigentlichen Fasten. Bleib gerne dabei und trag dich in meinen Newsletter ein. Dann bist du bei den ersten, die über meine neuen Beiträge informiert werden.
Alles Liebe, Daniela
