Was ist Heilfasten und wie funktioniert es?

Heilfasten ist der zeitweise freiwillige Verzicht auf Nahrung mit dem Ziel die eigene Gesundheit zu verbessern oder präventiv einen positiven Einfluss auf den eigenen Gesundheitszustand zu nehmen. Durch den Verzicht auf Nahrung, ist der Körper gezwungen, die benötigte Energie für die Aufrechterhaltung der Körperfunktionen aus anderen Quellen zu holen als gewohnt. So setzt nach kurzer Zeit des Fastens die Autophagie ein, was man sich wie eine Art der inneren Müllabfuhr vorstellen kann. Beschädigte Zellen werden abgebaut und in ihre Zellbestandteile zerlegt, die dann teilweise für den Aufbau neuer gesunder Zellen genutzt werden. Was nicht mehr benötigt wird, leitet der Körper über Leber und Nieren aus.

Zudem ist der Körper während des Fastens nicht mehr mit der permanenten Verdauungsarbeit beschäftigt und kann sich anderen „Baustellen“ widmen. Und von diesen Baustellen haben wir in unserer Überflussgesellschaft im Durchschnitt eine ganze Menge. Fasten ist eine Art der persönlichen Gesundheitsvorsorge. Also gönnen wir unserem Körper doch mal eine Fasten-Auszeit, um die Baustellen ein bisschen zu restaurieren.

Das Fasten jedenfalls ist keine neumodische, religiöse oder gar esoterische Erfindung. Ganz im Gegenteil. Schon Hippokrates von Kos – der griechische Arzt – soll das Fasten als Medizin befürwortet haben. Die Menschen wussten also schon früh um die Vorteile zeitweisem Nahrungsentzuges. Und auch evolutionstechnisch ist Fasten ein alter Hut. Es gab immer Zeiten, in denen Nahrung nicht so üppig zur Verfügung stand, wie heute in den Supermärkten. Da waren wiederkehrende Hungerphasen keine Seltenheit und trotzdem hat der Mensch überlebt. Die Evolution hat unsere Körper darauf eingestellt, auch mal nicht zu essen.

Zum Heilfasten wie wir es heute kennen zählen zum Beispiel Fastenmethoden wie das Fasten nach Otto Buchinger, F.X. Mayr-Kur, Fastentherapie nach Hildegard von Bingen. Auch das Basenfasten oder Intervallfasten sind weitere beliebte Methoden, die wir uns gleich näher anschauen.

Was sind die Unterschiede zwischen Heilfasten, Basenfasten und Intervallfasten?

Heilfasten, Basenfasten und Intervallfasten sind ganz unterschiedliche Fastenmethoden. Beim Heilfasten wird ganz auf feste Nahrung verzichtet und nur Flüssigkeit in Form von Wasser, Tee und klarer Gemüsebrühe (ohne Gemüsestücke oder püriert) zu sich genommen. Das Basenfasten strebt an, sich nur von Lebensmitteln zu ernähren, die nicht säurebildend auf den Körper wirken. Intervallfasten mit seinen verschiedenen Varianten ist ein langfristiger Ansatz, gleich einer Ernährungsumstellung, vorwiegend zur Gewichtsreduktion.

Was ist Buchinger-Fasten?

Klassisches Heilfasten nach Dr. Otto Buchinger ist vermutlich die bekannteste Form des Heilfastens. Otto Buchinger entwickelte seine Fastenmethode bestehend aus Wasser und Tee. Seine Enkel betreiben Fastenkliniken, in denen eine leicht modifizierte Art des Buchinger-Fastens angeboten wird. Neben Wasser und Tee sind auch Gemüsebrühen sowie verdünnte Obst- und Gemüsesäfte erlaubt. Dem eigentlichen Fasten gehen ein Entlastungstag voraus und nach dem Ende der Fastenzeit und dem Fastenbrechen folgen einige Aufbautage, um den Körper wieder langsam auf feste Nahrung einzustimmen. Ich selbst habe das Buchinger-Fasten schon gut in meinem Alltag umsetzen können, neben Job und Familie. Meine Kinder fanden es ganz spannend, dass ich nichts gegessen habe, aber es war absolut in Ordnung für sie, weil ich es mir selbst so ausgesucht habe. Sie haben mich beim gemeinsamen Abendessen auch gerne daran erinnert.

Das Foto zeigt meine Lieblingstasse und Teesorten, die ich während meiner Fastenzeit getrunken habe.

Was ist Basenfasten?

Basenfasten ist eine sehr sanfte Form des Fastens, bei der man nicht vollständig auf Nahrung verzichtet. Es werden bewusst nur basenbildende Lebensmittel gewählt, wie frisches Obst und Gemüse, Kartoffeln, Kräuter, Nüsse und Samen. Auf tierische Lebensmittel, Zucker, Koffein, Alkohol und Nikotin verzichtest du während dieser Zeit, weil diese Dinge im Körper säurebildend wirken.

Basenfasten ist auch ideal für dich, wenn du auf Nahrung nicht komplett verzichten möchtest oder kannst, weil du eventuell Medikamente nimmst oder aus anderen Gründen nicht fasten solltest. Mit der schonenden Ernährung während des Basenfastens, erreichst du eine Entsäuerung des Körpers und kannst deinen Stoffwechsel sanft aktivieren. Nach ein paar Tagen fühlen sich viele, die sich basisch ernähren, leichter, klar und wach im Kopf und energiegeladen. Aber auch langfristig gedacht kann das Basenfasten der bewusste Einstieg in eine Ernährungsumstellung sein.

Was ist Intervallfasten?

Intermittierendes Fasten oder Intervallfasten ist eine Methode, bei der in Zeitfenstern gefastet wird. Es wird also nicht durchgehend mehrere Tage auf Nahrung verzichtet, sondern wiederkehrend für eine gewisse Anzahl von Stunden. Die bekannteste Variante des Intervallfastens ist die 16:8 Methode. Innerhalb eines Tages – also 24 Stunden – darf in einem Zeitfenster von 8 Stunden gegessen werden. In den restlichen 16 Stunden des Tages wird gefastet. Das könnte zum Beispiel so aussehen, dass von 9.00 – 17.00 Uhr gegessen werden. Von 17.00 Uhr bis 9.00 Uhr am nächsten Morgen wird gefastet. Diese Fastenart ist auf Dauer ausgelegt und nicht wie klassisches Heilfasten für acht bis vierzehn Tage gedacht. In den acht Stunden der Nahrungsaufnahme sollten auch nur zwei Mahlzeiten und – wenn nötig ein kleiner Snack – eingenommen werden. Man soll nicht alle Mahlzeiten wie bisher in die acht Stunden packen.

Für mich ist diese Art zu fasten nicht ideal, denn es fällt mir schwer, im trubeligen Familienalltag die Zeitfenster konsequent einzuhalten. Oft passt es dann nicht mit den Essenszeiten meiner Familie zusammen und das möchte ich auf Dauer einfach nicht. Mir hat es besser gefallen, eine Woche auf Essen zu verzichten, denn da war das Ende absehbar, wann ich wieder „normal“ am Familientisch mit den Kindern essen kann.

Wer darf fasten und wer darf nicht fasten?

Fasten als Gesundheitsprävention kann von jedem gesunden Erwachsenen über einen Zeitraum von etwa 7 – 10 Tagen durchgeführt werden. Sinnvoll ist es, sich vorher ein wenig über das Thema und die gewünschte Fastenmethode zu informieren.

Nicht fasten dürfen Kinder und auch Schwangere oder stillende Frauen sollten auf das Fasten lieber verzichten. Bei einer akuten entzündlichen Erkrankung oder Infekten sollte ebenfalls nicht mit dem Fasten begonnen werden, sondern besser ein späterer Zeitpunkt gewählt werden.

Ergänzend füge ich hier eine Liste an Krankheiten ein, bei denen Fasten nicht ohne ärztliche Aufsicht oder zumindest in enger Absprache mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin durchgeführt werden darf:

  • Diabetes Typ 1 + Typ 2
  • Einschränkung der Leber-/Nierenfunktion
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Essstörungen (akut oder in der Vergangenheit)
  • (starkes) Untergewicht
  • Krebserkrankungen
  • Demenz
  • Eingeschränkt bei Gicht / Rheuma
  • Psychotische Erkrankungen und Depressionen
  • Herzerkrankungen
  • generell chronische, zehrende oder entzündliche Erkrankungen

Diese Liste ist nicht vollständig. Wenn du dir unsicher bist, ob du fasten darfst, spreche vorab mit deinem Arzt oder deiner Ärztin.

Wie bereite ich mich auf das Fasten vor?

Die beste Vorbereitung auf deine persönliche Fastenzeit ist, sich mit dem Thema zu beschäftigen und herauszufinden, welche Fastenmethode zu dir passt. Wenn du dich fit und gesund fühlst, kannst du jederzeit mit dem Fasten beginnen. Besorge dir vorab alles was du für deine Fastentage brauchst, damit du zwischendurch nicht einkaufen musst. Das verhindert Impulskäufe.

Sorge vor allem dafür, dass du ausreichend natriumarmes Wasser, Tee, (selbst gekochte) Gemüsebrühe und das passende Abführmittel zur anfänglichen Darmentleerung zuhause hast. Wenn es dir Spaß macht, kannst du auch überlegen, ein Fastentagebuch zu schreiben und dir hierfür ein kleines hübsches Heft zulegen. Oder ein Fastenprotokoll, wo du zum Beispiel täglich dein Befinden, Gewicht, Bauchumfang, Blutdruck usw. eintragen und deine Erfolge tracken kannst.

Du kannst dir auch gerne einen Fastenplan erstellen, dir ein Ziel setzen und dir aufschreiben, was deine Motivation für das Fasten ist. Wenn du dich bereit fühlst, wirf noch einen Blick in deinen Kalender und stelle sicher, dass in den kommenden Tagen, wenn du fastest, keine Einladung zur Hochzeit deiner besten Freundin ansteht oder Opas 80. Geburtstag. Erfahrungsgemäß ist es schwierig während des Fastens an großen gesellschaftlichen Ereignissen teilzunehmen und auf Verständnis für das Verschmähen der Torte zu hoffen.

Fastenkrise – aufgeben oder weitermachen?

Wie äußert sich eine Fastenkrise? Hunger? Kopfschmerzen? Müdigkeit? Das alles könnte in den ersten Fastentagen auftreten. Besonders wenn der Fastende stark übergewichtig ist oder wenn eine gewisse Abhängigkeit nach Zucker, Nikotin, Koffein – oder sogar Alkohol – im Spiel ist. Auf diese Genussgifte wird während des Fastens verzichtet. Deshalb kann es zu leichten Entzugserscheinungen kommen.

Aufgeben oder weitermachen? Fasten ist kein Wettbewerb – es gibt hier keine Konkurrenz. Nur dich. Natürlich darfst du bei einer Fastenkrise auch einfach das Fasten beenden, wenn du es dir zum jetzigen Zeitpunkt nicht zumuten kannst oder willst weiter zu fasten. Selbst nach einem Tag. Du kannst aber auch durchhalten, nicht aufgeben und weitermachen. Und was denkst du, wie stolz du bist, wenn du durchgezogen hast?

Die Krise ist jedenfalls meist schnell wieder vorbei. Viel trinken, leichte Bewegung oder ein Spaziergang an der frischen Luft oder der Austausch mit Gleichgesinnten oder einer Freundin, die dich unterstützt, hilft oft schon. Beschäftigung und Ablenkung tun gut und lenken den Fokus weg von der Fastenkrise. Sollte allerdings keine Besserung eintreten oder weitere Symptome einer Krankheit (z. B. Fieber) dazukommen, wende dich an deinen Arzt oder deine Ärztin.

Fazit: Sei mutig und faste einfach!

Ob Heilfasten, Basenfasten oder Intervallfasten – die eine richtige Methode gibt es nicht. Wenn sie zu dir und deinem Leben passt, ist die richtige für dich. Ich habe für mich das Buchinger-Fasten entdeckt. Es lässt sich gut in den Alltag integrieren, auch neben dem Beruf. Vielleicht ist jetzt der richtige Moment für dich!

Setze dir ein Ziel, sei mutig und fang an. Wenn du nicht alleine starten willst, such dir eine Fasten-Gruppe online oder vor Ort. Ich biete auch immer wieder mal begleitete Online Fastenwochen an. Komm in meinen Newsletter – vielleicht passt der nächste Online-Fastenstart in deinen Kalender. Fasten in der Gruppe ist macht auch richtig Spaß – Austausch, Motivation und Support inklusive.

Hast du Fragen zum Fasten oder hast du vielleicht schon Erfahrungen gemacht? Schreib es mir gerne in die Kommentare!

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